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Mathe

Was ist die Normalverteilung, und wie rechnet man damit?

Kurze Antwort

Die Normalverteilung (Gauß-Verteilung) hat eine symmetrische Glockenkurve, festgelegt durch Erwartungswert μ und Standardabweichung σ. Rund 68 % der Werte liegen höchstens 1σ von μ entfernt.

15–18 JahreWeiterführende Schule

In einem Satz

Die Normalverteilung beschreibt die Glockenkurve, der viele Messwerte folgen: Die meisten Werte liegen nah am Mittelwert, und je weiter man sich davon entfernt, desto seltener werden sie.

Erklärt

Wiege 1000 Äpfel aus demselben Obstgarten. Ein paar sind sehr leicht, ein paar sehr schwer, aber die meisten liegen nah am Durchschnitt. Zeichnest du ein Histogramm der Massen mit immer schmaleren Säulen, wird der Umriss zu einer glatten Glockenkurve. Diese Kurve gehört zur Normalverteilung, auch Gauß-Verteilung genannt, nach dem Mathematiker Carl Friedrich Gauß. Die Kurve heißt deshalb auch gaußsche Glockenkurve.

  • Apfel
  • Lineal
  • Brot
Apfelmassen, Körpergrößen und Füllmengen folgen oft einer Glockenkurve.

Eine Normalverteilung ist durch nur zwei Zahlen festgelegt:

  • den Erwartungswert μ, der sagt, wo die Mitte der Glocke liegt;
  • die Standardabweichung σ, die sagt, wie breit die Glocke ist (siehe Standardabweichung).

Man schreibt X ~ N(μ; σ²). Achtung: Die zweite Zahl ist die Varianz. N(60; 16) bedeutet also σ = 4.

Ihre wichtigsten Eigenschaften:

  • Sie ist symmetrisch zu μ, deshalb gilt Mittelwert = Median = Modus.
  • Sie ist stetig: X kann jeden reellen Wert annehmen, nicht nur ganze Zahlen. Darum berechnet man die Wahrscheinlichkeit für einen Bereich, nicht für einen einzelnen Wert: P(X = a) = 0.
  • Die Kurve ist der Graph einer Dichtefunktion: Die Fläche unter der Kurve ist 1, und die Fläche zwischen zwei Werten ist die Wahrscheinlichkeit, dazwischen zu landen.
  • Die Kurve berührt die x-Achse nie, aber fast die ganze Fläche liegt im Bereich μ ± 3σ.

Die Sigma-Regeln liefern schnelle Abschätzungen: Etwa 68 % (genauer 68,3 %) der Werte liegen in μ ± σ, etwa 95 % (95,4 %) in μ ± 2σ und etwa 99,7 % in μ ± 3σ.

Für genaue Werte wird standardisiert. Der z-Wert sagt, wie viele Standardabweichungen ein Wert vom Erwartungswert entfernt ist:

z = (x − μ) ÷ σ

Die z-Werte folgen der Standardnormalverteilung Z ~ N(0; 1) mit μ = 0 und σ = 1. Die Tabelle (oder der Taschenrechner) liefert Φ(z) = P(Z ≤ z), die Fläche links von z.

Beispiele

Einige Werte aus der Tabelle der Standardnormalverteilung, auf 4 Nachkommastellen gerundet:

z 0 0,5 1 1,5 1,96 2 2,5 3
Φ(z) = P(Z ≤ z) 0,5000 0,6915 0,8413 0,9332 0,9750 0,9772 0,9938 0,9987

Beispielaufgabe: Die Körpergröße von Erwachsenen in einer Gruppe ist normalverteilt mit μ = 170 cm und σ = 8 cm. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person kleiner als 182 cm ist?

z = (182 − 170) ÷ 8 = 1,5, also P(X < 182) = Φ(1,5) = 0,9332. Rund 93 % der Gruppe sind kleiner als 182 cm.

Und größer als 182 cm? Über das Gegenereignis: 1 − 0,9332 = 0,0668.

Negative z-Werte stehen meist nicht in der Tabelle. Dann hilft die Symmetrie: Φ(−z) = 1 − Φ(z). Zum Beispiel ist P(Z < −1) = 1 − 0,8413 = 0,1587.

Häufige Fehler

  • Die Varianz für σ halten. In N(60; 16) ist σ = √16 = 4, nicht 16. Abhilfe: prüfen, ob die zweite Zahl σ oder σ² ist.
  • Vergessen, welche Fläche die Tabelle liefert. Φ(z) ist die Fläche links von z. Abhilfe: Für „größer als“ 1 − Φ(z) rechnen.
  • Negative z-Werte direkt suchen. Abhilfe: Φ(−z) = 1 − Φ(z) benutzen und mit einer Skizze prüfen, ob das Ergebnis passt.
  • Die Normalverteilung für schiefe Daten verwenden. Wartezeiten oder Einkommen sind oft einseitig verteilt. Abhilfe: Erst prüfen, ob die Daten ungefähr glockenförmig und symmetrisch sind.

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt

  1. SkizzierenEine Glocke zeichnen, μ in die Mitte setzen und die gesuchte Fläche schraffieren.
  2. StandardisierenJeden x-Wert mit z = (x − μ) ÷ σ in einen z-Wert umrechnen.
  3. Φ(z) ablesenDie Fläche links in der Tabelle ablesen oder die Normalverteilungsfunktion des Taschenrechners nutzen.
  4. AnpassenFür „größer als“ 1 − Φ(z); für „zwischen a und b“ Φ(z_b) − Φ(z_a).
  5. PrüfenMit der Skizze vergleichen: Ist die Wahrscheinlichkeit größer oder kleiner als 0,5, wie sie sein sollte?

Rückwärts rechnen (x aus einer Wahrscheinlichkeit bestimmen, die „inverse Normalverteilung“): Den z-Wert zur gegebenen Fläche suchen, dann x = μ + z · σ.

Übungsaufgaben

Normalverteilung üben

Löse jede Aufgabe und prüfe dann deine Antwort.

  1. X hat μ = 50 und σ = 10. Berechne den z-Wert von x = 65.
    Lösung zeigen
    (65 − 50) ÷ 10 = 1,5
  2. Gleiches X. Berechne den z-Wert von x = 35.
    Lösung zeigen
    (35 − 50) ÷ 10 = −1,5
  3. μ = 100, σ = 15. Welcher Wert hat z = 2?
    Lösung zeigen
    100 + 2 · 15 = 130
  4. Körpergrößen: μ = 170 cm, σ = 8 cm. Wie viel Prozent liegen ungefähr zwischen 162 und 178 cm?
    Lösung zeigen
    Das ist μ ± σ: etwa 68 %
  5. Gleiche Körpergrößen. Wie viel Prozent liegen zwischen 154 und 186 cm?
    Lösung zeigen
    μ ± 2σ: etwa 95 %
  6. Gleiche Körpergrößen. Wie viel Prozent sind größer als 178 cm?
    Lösung zeigen
    (100 % − 68 %) ÷ 2 = etwa 16 %
  7. Gleiche Körpergrößen. Wie viel Prozent sind kleiner als 146 cm?
    Lösung zeigen
    146 liegt 3σ unter μ: (100 % − 99,7 %) ÷ 2 = etwa 0,15 %
  8. Bestimme P(Z < 1).
    Lösung zeigen
    Aus der Tabelle: 0,8413
  9. Bestimme P(Z > 1,5).
    Lösung zeigen
    1 − 0,9332 = 0,0668
  10. Bestimme P(Z < −0,5).
    Lösung zeigen
    1 − Φ(0,5) = 1 − 0,6915 = 0,3085
  11. Bestimme P(−1 < Z < 2).
    Lösung zeigen
    Φ(2) − Φ(−1) = 0,9772 − 0,1587 = 0,8185
  12. X ~ N(60; 4²). Bestimme P(X < 66).
    Lösung zeigen
    z = (66 − 60) ÷ 4 = 1,5, also 0,9332
  13. X ~ N(200; 25²). Bestimme P(X > 250).
    Lösung zeigen
    z = 50 ÷ 25 = 2, also 1 − 0,9772 = 0,0228
  14. X ~ N(80; 5²). Bestimme x mit P(X < x) = 0,975.
    Lösung zeigen
    Φ(1,96) = 0,975, also x = 80 + 1,96 · 5 = 89,8
  15. X ~ N(30; 9). Wie groß ist die Standardabweichung?
    Lösung zeigen
    9 ist die Varianz, also σ = √9 = 3

Sachaufgaben

Normalverteilung im Alltag

Löse jede Aufgabe und prüfe dann deine Antwort.

  1. Eine Maschine füllt Mehlpackungen mit μ = 1000 g und σ = 5 g. Wie wahrscheinlich wiegt eine Packung weniger als 990 g?
    Lösung zeigen
    z = (990 − 1000) ÷ 5 = −2; Φ(−2) = 1 − 0,9772 = 0,0228 (etwa 2,3 %)
  2. Die Punkte in einer Prüfung sind normalverteilt mit μ = 65 und σ = 10. Wie viel Prozent haben mehr als 80 Punkte?
    Lösung zeigen
    z = 1,5; 1 − 0,9332 = 0,0668: etwa 6,7 %
  3. An dieser Prüfung haben 200 Personen teilgenommen. Wie viele hatten ungefähr mehr als 80 Punkte?
    Lösung zeigen
    200 · 0,0668 = 13,36: etwa 13 Personen
  4. Die Lebensdauer einer Batterie ist normalverteilt mit μ = 400 Stunden und σ = 40 Stunden. Wie wahrscheinlich hält sie zwischen 360 und 480 Stunden?
    Lösung zeigen
    z von −1 bis 2: 0,9772 − 0,1587 = 0,8185
  5. Eine Busfahrt dauert im Mittel 30 Minuten mit σ = 3 Minuten. Wie viel Zeit sollte man einplanen, um in 97,5 % der Fälle pünktlich zu sein?
    Lösung zeigen
    x = 30 + 1,96 · 3 = 35,88: etwa 36 Minuten

Häufige Fragen

Ist die Normalverteilung stetig oder diskret?

Stetig. Sie beschreibt Messgrößen wie Länge, Masse oder Zeit, die jeden Wert in einem Bereich annehmen können. Die Binomialverteilung ist dagegen diskret, lässt sich aber bei großem n gut durch eine Normalverteilung annähern.

Ist die Normalverteilung immer symmetrisch?

Ja, jede Normalverteilung ist symmetrisch zu ihrem Erwartungswert μ. Sind Daten deutlich schief, passt das Modell nicht.

Wie lautet die Dichtefunktion der Normalverteilung?

φ(x) = 1 ÷ (σ√(2π)) · e^(−(x − μ)² ÷ (2σ²)). Die Wahrscheinlichkeit für einen Bereich ist die Fläche unter dieser Kurve, also ein Integral; in der Praxis nutzt man Φ aus der Tabelle oder den Taschenrechner.

Was ist die Standardnormalverteilung?

Die Normalverteilung mit μ = 0 und σ = 1. Über z = (x − μ) ÷ σ lässt sich jede Normalverteilung auf sie zurückführen, deshalb reicht eine einzige Tabelle.

Wie berechnet man die Normalverteilung mit dem Taschenrechner oder Excel?

Am Rechner im Verteilungsmenü die kumulierte Normalverteilung wählen (bei TI-Rechnern normalcdf) und untere Grenze, obere Grenze, μ und σ eingeben. In Excel liefert =NORM.VERT(x; μ; σ; WAHR) P(X ≤ x), =NORM.S.VERT(z; WAHR) Φ(z) und =NORM.INV(p; μ; σ) den Wert x zur Wahrscheinlichkeit p.

Wofür braucht man die Normalverteilung?

Um Daten zu beschreiben, die sich symmetrisch um einen Mittelwert häufen (Körpergrößen, Messfehler, Füllmengen), um zu beurteilen, wie ungewöhnlich ein Wert ist, und als Grundlage vieler Tests in der Statistik.

Kurzes Quiz

Die Normalverteilung

Teste dein Wissen mit 4 kurzen Fragen.

Frage 1 von 4

Wie verhalten sich bei einer Normalverteilung Mittelwert, Median und Modus?

Üben

Probier es aus

Alle Blätter: Mittelwert, Median und Modalwert

Schritt für Schritt üben im ganzen Kurs: Mathe · Klasse 12

Für Erwachsene

Varianz und Standardabweichung

Varianz und Standardabweichung messen, wie stark Daten um den Mittelwert streuen. Die Varianz ist der Mittelwert der quadrierten Abweichungen, die Standardabweichung ihre Wurzel.

Mathe · 14–18 Jahre

Wahrscheinlichkeit

Wahrscheinlichkeit misst, wie wahrscheinlich etwas eintritt, auf einer Skala von 0 (unmöglich) bis 1 (sicher). Eine faire Münze zeigt mit der Wahrscheinlichkeit 1/2 Kopf.

Mathe · 9–16 Jahre

Mittelwert, Median und Modus

Mittelwert, Median und Modus sind drei Durchschnitte. Der Mittelwert verteilt die Summe gleichmäßig, der Median ist der mittlere Wert, der Modus der häufigste.

Mathe · 10–15 Jahre

Die Binomialverteilung

Die Binomialverteilung B(n; p) gibt die Wahrscheinlichkeit für k Treffer in einer Bernoulli-Kette der Länge n an: P(X = k) = (n über k) · pᵏ · (1 − p)ⁿ⁻ᵏ. Der Erwartungswert ist n · p.

Mathe · 15–18 Jahre

Bedingte Wahrscheinlichkeit

Die bedingte Wahrscheinlichkeit ist die Wahrscheinlichkeit von A, wenn man schon weiß, dass B eingetreten ist. Man schreibt P_B(A) oder P(A|B) und rechnet P_B(A) = P(A∩B) : P(B).

Mathe · 14–18 Jahre

Kumulierte Häufigkeit

Die kumulierte Häufigkeit (Summenhäufigkeit) ist die laufende Summe der Häufigkeiten bis zu einem Wert. Die letzte ist die Gesamtzahl, und aus ihr liest man Median und Quartile ab.

Mathe · 13–16 Jahre

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