Mathe
Was ist die Binomialverteilung, und wie benutzt man die Formel?
Kurze Antwort
Die Binomialverteilung B(n; p) gibt die Wahrscheinlichkeit für k Treffer in einer Bernoulli-Kette der Länge n an: P(X = k) = (n über k) · pᵏ · (1 − p)ⁿ⁻ᵏ. Der Erwartungswert ist n · p.
In einem Satz
Die Binomialverteilung sagt, wie wahrscheinlich genau 0, 1, 2, … Treffer sind, wenn man dasselbe Zufallsexperiment mit zwei Ausgängen eine feste Anzahl von Malen unabhängig wiederholt.
Erklärt
Eine Fußballerin verwandelt 80 % ihrer Elfmeter. Sie schießt 5 Elfmeter. Wie wahrscheinlich sind genau 4 Tore? Jeder Elfmeter ist ein Bernoulli-Experiment mit zwei Ausgängen: Treffer (Tor) oder Niete (verschossen), mit Trefferwahrscheinlichkeit p = 0,8. Fünfmal unabhängig wiederholt ergibt das eine Bernoulli-Kette der Länge 5. Die Anzahl der Tore X kann 0, 1, 2, 3, 4 oder 5 sein, und die Binomialverteilung gibt die Wahrscheinlichkeit jedes Werts an.
Fußball
Blume
Lampe
Sie passt, wenn vier Bedingungen erfüllt sind:
- zwei Ausgänge pro Versuch: Treffer oder Niete;
- die Versuche sind unabhängig voneinander;
- die Anzahl n der Versuche steht vorher fest;
- die Trefferwahrscheinlichkeit p ist in jedem Versuch gleich.
Beim Ziehen aus einer Urne heißt das: Die Binomialverteilung beschreibt Ziehen mit Zurücklegen. Man schreibt X ~ B(n; p) und sagt „X ist binomialverteilt mit n und p“. Die Formel von Bernoulli lautet
P(X = k) = (n über k) · pᵏ · (1 − p)ⁿ⁻ᵏ
Jeder Teil hat eine Aufgabe. pᵏ ist die Wahrscheinlichkeit für die k Treffer, (1 − p)ⁿ⁻ᵏ die für die n − k Nieten, und der Binomialkoeffizient „n über k“ zählt die Pfade im Baumdiagramm mit genau k Treffern. Bei 5 Elfmetern mit 4 Toren kann der Fehlschuss der 1., 2., 3., 4. oder 5. sein, also ist „5 über 4“ = 5. Man bekommt ihn mit der nCr-Taste, aus dem Pascalschen Dreieck oder mit n! : (k! · (n − k)!).
Also ist P(X = 4) = 5 · 0,8⁴ · 0,2 = 5 · 0,4096 · 0,2 = 0,4096.
Drei weitere Formeln braucht man ständig:
- Erwartungswert: μ = n · p. Bei 5 Elfmetern erwartet man im Mittel 5 · 0,8 = 4 Tore.
- Varianz: σ² = n · p · (1 − p), Standardabweichung σ = √(n · p · (1 − p)). Siehe Standardabweichung.
- Kumulierte Binomialverteilung: P(X ≤ k) addiert P(X = 0) bis P(X = k). Dafür gibt es Tabellen, und der Taschenrechner liefert sie direkt.
Die Binomialverteilung ist diskret: X nimmt nur ganze Zahlen von 0 bis n an. Sie ist symmetrisch, wenn p = 0,5, rechtsschief bei kleinem p und linksschief bei p nahe 1. Bei großem n sieht ihr Histogramm fast wie die Glockenkurve der Normalverteilung aus.
Beispiele
Die ganze Verteilung für n = 4 mit zwei verschiedenen p:
| k | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 |
|---|---|---|---|---|---|
| B(4; 0,5): P(X = k) | 0,0625 | 0,25 | 0,375 | 0,25 | 0,0625 |
| B(4; 0,2): P(X = k) | 0,4096 | 0,4096 | 0,1536 | 0,0256 | 0,0016 |
Jede Zeile hat die Summe 1. Die erste ist symmetrisch, die zweite rechtsschief: Fast die ganze Wahrscheinlichkeit liegt bei kleinen k.
Durchgerechnet: Ein fairer Würfel wird 6-mal geworfen. Wie wahrscheinlich sind genau zwei Sechsen? Hier ist n = 6, p = 1/6, k = 2 und „6 über 2“ = 15.
P(X = 2) = 15 · (1/6)² · (5/6)⁴ = 15 · 625 : 46 656 = 9375 : 46 656 ≈ 0,2009
Durchgerechnet, „mindestens einer“: X ~ B(5; 0,2). P(X ≥ 1) = 1 − P(X = 0) = 1 − 0,8⁵ = 1 − 0,32768 = 0,67232.
Häufige Fehler
- Den Binomialkoeffizienten vergessen. 0,8⁴ · 0,2 ist die Wahrscheinlichkeit nur eines Pfades. Richtig: mit der Anzahl der Pfade multiplizieren.
- „Weniger als“ und „höchstens“ verwechseln. P(X < 3) = P(X ≤ 2), aber P(X ≤ 3) enthält die 3. P(X ≥ 3) = 1 − P(X ≤ 2). Richtig: die benötigten k-Werte aufschreiben.
- Sie benutzen, obwohl p sich ändert. Ziehen ohne Zurücklegen ändert p bei jedem Zug: Das ist nicht binomial, sondern hypergeometrisch verteilt. Richtig: erst die Bedingungen prüfen.
- Erwartungswert und Varianz verwechseln. Richtig: μ = n · p; σ² = n · p · (1 − p) ist nie größer als μ.
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt
- Bedingungen prüfenZwei Ausgänge, unabhängige Versuche, festes n, gleiches p.
- n, p und k festlegenX ~ B(n; p) notieren und aufschreiben, welche k gesucht sind.
- Richtige Wahrscheinlichkeit wählenGenau k: Formel. Höchstens k: kumuliert. Mindestens k: 1 − P(X ≤ k − 1).
- BerechnenMit der Formel, der Tabelle oder den Binomialfunktionen des Taschenrechners.
- KontrollierenLiegt das Ergebnis zwischen 0 und 1? Sind die Werte nahe μ = n · p am wahrscheinlichsten?
Übungsaufgaben
Binomialverteilung
Löse jede Aufgabe und prüfe dann deine Antwort.
- Ist „die Anzahl der Sechsen bei 20 Würfen eines fairen Würfels“ binomialverteilt? Wenn ja, gib n und p an.
Lösung zeigen
Ja: zwei Ausgänge, unabhängige Würfe, festes n, gleiches p. n = 20, p = 1/6 - Ist „die Anzahl der gezogenen Karten, bis ein Ass kommt“ binomialverteilt?
Lösung zeigen
Nein: Die Anzahl der Versuche steht nicht fest. - X ~ B(4; 0,5). Berechne P(X = 2).
Lösung zeigen
„4 über 2“ = 6, also 6 · 0,5² · 0,5² = 6 · 0,0625 = 0,375 - X ~ B(5; 0,2). Berechne P(X = 0).
Lösung zeigen
0,8⁵ = 0,32768 - X ~ B(5; 0,2). Berechne P(X ≥ 1).
Lösung zeigen
1 − 0,32768 = 0,67232 - X ~ B(6; 0,3). Berechne P(X = 2).
Lösung zeigen
15 · 0,3² · 0,7⁴ = 15 · 0,09 · 0,2401 ≈ 0,3241 - X ~ B(10; 0,5). Berechne P(X = 10).
Lösung zeigen
0,5¹⁰ = 1/1024 ≈ 0,000977 - X ~ B(3; 0,4). Berechne P(X ≤ 1).
Lösung zeigen
P(0) = 0,6³ = 0,216; P(1) = 3 · 0,4 · 0,6² = 0,432. Zusammen 0,648 - X ~ B(20; 0,25). Berechne den Erwartungswert.
Lösung zeigen
n · p = 20 · 0,25 = 5 - X ~ B(20; 0,25). Berechne Varianz und Standardabweichung.
Lösung zeigen
σ² = 20 · 0,25 · 0,75 = 3,75; σ = √3,75 ≈ 1,936 - X ~ B(8; 0,5). Berechne P(X = 4).
Lösung zeigen
„8 über 4“ = 70, also 70 · 0,5⁸ = 70 : 256 ≈ 0,2734 - X ~ B(4; 0,1). Berechne P(X ≥ 2).
Lösung zeigen
P(0) = 0,6561, P(1) = 4 · 0,1 · 0,729 = 0,2916. 1 − 0,6561 − 0,2916 = 0,0523 - X ~ B(n; 0,4) hat den Erwartungswert 12. Bestimme n.
Lösung zeigen
0,4 · n = 12, also n = 30 - X ~ B(n; p) hat den Erwartungswert 6 und die Varianz 4,2. Bestimme n und p.
Lösung zeigen
1 − p = 4,2 : 6 = 0,7, also p = 0,3 und n = 6 : 0,3: n = 20, p = 0,3 - Welcher Wert von X ~ B(10; 0,3) ist am wahrscheinlichsten?
Lösung zeigen
P(2) ≈ 0,2335, P(3) ≈ 0,2668, P(4) ≈ 0,2001: am wahrscheinlichsten ist 3
Sachaufgaben
Binomialverteilung im Alltag
Löse jede Aufgabe und prüfe dann deine Antwort.
- Eine Fußballerin verwandelt 80 % ihrer Elfmeter. Sie schießt 5. Wie wahrscheinlich verwandelt sie alle 5?
Lösung zeigen
0,8⁵ = 0,32768 - Jeder Samen aus einer Tüte keimt mit 90 % Wahrscheinlichkeit. Du säst 10. Wie viele keimen im Mittel, und wie wahrscheinlich keimen alle 10?
Lösung zeigen
μ = 10 · 0,9 = 9 Samen; P(X = 10) = 0,9¹⁰ ≈ 0,3487 - Ein Test hat 10 Fragen mit je 4 Antworten. Ana rät bei allen. Wie viele richtige erwartet sie, und wie wahrscheinlich hat sie keine richtig?
Lösung zeigen
μ = 10 · 0,25 = 2,5; P(X = 0) = 0,75¹⁰ ≈ 0,0563 - 2 % der Glühbirnen einer Fabrik sind defekt. Ein Karton enthält 50. Wie wahrscheinlich ist mindestens eine defekte darin?
Lösung zeigen
1 − 0,98⁵⁰ ≈ 1 − 0,3642 = 0,6358 - Eine Familie hat 3 Kinder; jedes ist mit gleicher Wahrscheinlichkeit ein Mädchen oder ein Junge. Wie wahrscheinlich sind genau 2 Mädchen?
Lösung zeigen
„3 über 2“ · 0,5³ = 3 · 0,125 = 0,375
Häufige Fragen
Was beschreibt die Binomialverteilung?
Die Anzahl der Treffer in einer Bernoulli-Kette: n unabhängige Versuche mit jeweils zwei Ausgängen und gleicher Trefferwahrscheinlichkeit p. Beispiele sind Tore bei Elfmetern, defekte Teile in einer Lieferung oder richtig geratene Antworten.
Ist die Binomialverteilung mit oder ohne Zurücklegen?
Mit Zurücklegen, denn nur dann bleibt p bei jedem Zug gleich. Ohne Zurücklegen ist die Anzahl der Treffer hypergeometrisch verteilt; bei sehr großer Grundgesamtheit ist der Unterschied aber klein.
Ist die Binomialverteilung diskret?
Ja. X zählt Treffer und nimmt nur die Werte 0, 1, 2, … bis n an. Die Normalverteilung ist dagegen stetig.
Ist die Binomialverteilung eine Normalverteilung?
Nein, aber für große n lässt sie sich gut durch eine Normalverteilung mit μ = n · p und σ = √(n · p · (1 − p)) annähern. Als Faustregel nennt man oft die Laplace-Bedingung σ > 3.
Was ist die kumulierte Binomialverteilung?
Die Summe P(X ≤ k) = P(X = 0) + … + P(X = k). Tabellen enthalten meist genau diese Werte. P(X = k) erhält man dann als P(X ≤ k) − P(X ≤ k − 1).
Wie berechnet man die Binomialverteilung mit dem Taschenrechner oder Excel?
Grafikrechner haben fertige Funktionen, bei TI zum Beispiel binompdf(n, p, k) für P(X = k) und binomcdf(n, p, k) für P(X ≤ k). In Excel liefert =BINOM.VERT(k; n; p; FALSCH) P(X = k) und =BINOM.VERT(k; n; p; WAHR) P(X ≤ k).
Kurzes Quiz
Die Binomialverteilung
Teste dein Wissen mit 5 kurzen Fragen.
Frage 1 von 5
Welche Bedingung gehört NICHT zu einer Binomialverteilung?
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Binomialverteilung unbegrenzt üben
Statistik-Arbeitsblätter
Schritt für Schritt üben im ganzen Kurs: Mathe · Klasse 12
Für Erwachsene
Verwandte Themen
Wahrscheinlichkeit
Wahrscheinlichkeit misst, wie wahrscheinlich etwas eintritt, auf einer Skala von 0 (unmöglich) bis 1 (sicher). Eine faire Münze zeigt mit der Wahrscheinlichkeit 1/2 Kopf.
Die Normalverteilung
Die Normalverteilung (Gauß-Verteilung) hat eine symmetrische Glockenkurve, festgelegt durch Erwartungswert μ und Standardabweichung σ. Rund 68 % der Werte liegen höchstens 1σ von μ entfernt.
Varianz und Standardabweichung
Varianz und Standardabweichung messen, wie stark Daten um den Mittelwert streuen. Die Varianz ist der Mittelwert der quadrierten Abweichungen, die Standardabweichung ihre Wurzel.
Bedingte Wahrscheinlichkeit
Die bedingte Wahrscheinlichkeit ist die Wahrscheinlichkeit von A, wenn man schon weiß, dass B eingetreten ist. Man schreibt P_B(A) oder P(A|B) und rechnet P_B(A) = P(A∩B) : P(B).
Kumulierte Häufigkeit
Die kumulierte Häufigkeit (Summenhäufigkeit) ist die laufende Summe der Häufigkeiten bis zu einem Wert. Die letzte ist die Gesamtzahl, und aus ihr liest man Median und Quartile ab.
Häufigkeitspolygon
Ein Häufigkeitspolygon ist ein Liniendiagramm für in Klassen eingeteilte Daten. Man trägt die Häufigkeit jeder Klasse über der Klassenmitte ein und verbindet die Punkte mit Strecken.