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Mathe

Was ist die Binomialverteilung, und wie benutzt man die Formel?

Kurze Antwort

Die Binomialverteilung B(n; p) gibt die Wahrscheinlichkeit für k Treffer in einer Bernoulli-Kette der Länge n an: P(X = k) = (n über k) · pᵏ · (1 − p)ⁿ⁻ᵏ. Der Erwartungswert ist n · p.

15–18 JahreWeiterführende Schule

In einem Satz

Die Binomialverteilung sagt, wie wahrscheinlich genau 0, 1, 2, … Treffer sind, wenn man dasselbe Zufallsexperiment mit zwei Ausgängen eine feste Anzahl von Malen unabhängig wiederholt.

Erklärt

Eine Fußballerin verwandelt 80 % ihrer Elfmeter. Sie schießt 5 Elfmeter. Wie wahrscheinlich sind genau 4 Tore? Jeder Elfmeter ist ein Bernoulli-Experiment mit zwei Ausgängen: Treffer (Tor) oder Niete (verschossen), mit Trefferwahrscheinlichkeit p = 0,8. Fünfmal unabhängig wiederholt ergibt das eine Bernoulli-Kette der Länge 5. Die Anzahl der Tore X kann 0, 1, 2, 3, 4 oder 5 sein, und die Binomialverteilung gibt die Wahrscheinlichkeit jedes Werts an.

  • Fußball
  • Blume
  • Lampe
Verwandelte Elfmeter, keimende Samen oder defekte Glühbirnen: All das kann binomialverteilt sein.

Sie passt, wenn vier Bedingungen erfüllt sind:

  • zwei Ausgänge pro Versuch: Treffer oder Niete;
  • die Versuche sind unabhängig voneinander;
  • die Anzahl n der Versuche steht vorher fest;
  • die Trefferwahrscheinlichkeit p ist in jedem Versuch gleich.

Beim Ziehen aus einer Urne heißt das: Die Binomialverteilung beschreibt Ziehen mit Zurücklegen. Man schreibt X ~ B(n; p) und sagt „X ist binomialverteilt mit n und p“. Die Formel von Bernoulli lautet

P(X = k) = (n über k) · pᵏ · (1 − p)ⁿ⁻ᵏ

Jeder Teil hat eine Aufgabe. pᵏ ist die Wahrscheinlichkeit für die k Treffer, (1 − p)ⁿ⁻ᵏ die für die n − k Nieten, und der Binomialkoeffizient „n über k“ zählt die Pfade im Baumdiagramm mit genau k Treffern. Bei 5 Elfmetern mit 4 Toren kann der Fehlschuss der 1., 2., 3., 4. oder 5. sein, also ist „5 über 4“ = 5. Man bekommt ihn mit der nCr-Taste, aus dem Pascalschen Dreieck oder mit n! : (k! · (n − k)!).

Also ist P(X = 4) = 5 · 0,8⁴ · 0,2 = 5 · 0,4096 · 0,2 = 0,4096.

Drei weitere Formeln braucht man ständig:

  • Erwartungswert: μ = n · p. Bei 5 Elfmetern erwartet man im Mittel 5 · 0,8 = 4 Tore.
  • Varianz: σ² = n · p · (1 − p), Standardabweichung σ = √(n · p · (1 − p)). Siehe Standardabweichung.
  • Kumulierte Binomialverteilung: P(X ≤ k) addiert P(X = 0) bis P(X = k). Dafür gibt es Tabellen, und der Taschenrechner liefert sie direkt.

Die Binomialverteilung ist diskret: X nimmt nur ganze Zahlen von 0 bis n an. Sie ist symmetrisch, wenn p = 0,5, rechtsschief bei kleinem p und linksschief bei p nahe 1. Bei großem n sieht ihr Histogramm fast wie die Glockenkurve der Normalverteilung aus.

Beispiele

Die ganze Verteilung für n = 4 mit zwei verschiedenen p:

k 0 1 2 3 4
B(4; 0,5): P(X = k) 0,0625 0,25 0,375 0,25 0,0625
B(4; 0,2): P(X = k) 0,4096 0,4096 0,1536 0,0256 0,0016

Jede Zeile hat die Summe 1. Die erste ist symmetrisch, die zweite rechtsschief: Fast die ganze Wahrscheinlichkeit liegt bei kleinen k.

Durchgerechnet: Ein fairer Würfel wird 6-mal geworfen. Wie wahrscheinlich sind genau zwei Sechsen? Hier ist n = 6, p = 1/6, k = 2 und „6 über 2“ = 15.

P(X = 2) = 15 · (1/6)² · (5/6)⁴ = 15 · 625 : 46 656 = 9375 : 46 656 ≈ 0,2009

Durchgerechnet, „mindestens einer“: X ~ B(5; 0,2). P(X ≥ 1) = 1 − P(X = 0) = 1 − 0,8⁵ = 1 − 0,32768 = 0,67232.

Häufige Fehler

  • Den Binomialkoeffizienten vergessen. 0,8⁴ · 0,2 ist die Wahrscheinlichkeit nur eines Pfades. Richtig: mit der Anzahl der Pfade multiplizieren.
  • „Weniger als“ und „höchstens“ verwechseln. P(X < 3) = P(X ≤ 2), aber P(X ≤ 3) enthält die 3. P(X ≥ 3) = 1 − P(X ≤ 2). Richtig: die benötigten k-Werte aufschreiben.
  • Sie benutzen, obwohl p sich ändert. Ziehen ohne Zurücklegen ändert p bei jedem Zug: Das ist nicht binomial, sondern hypergeometrisch verteilt. Richtig: erst die Bedingungen prüfen.
  • Erwartungswert und Varianz verwechseln. Richtig: μ = n · p; σ² = n · p · (1 − p) ist nie größer als μ.

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt

  1. Bedingungen prüfenZwei Ausgänge, unabhängige Versuche, festes n, gleiches p.
  2. n, p und k festlegenX ~ B(n; p) notieren und aufschreiben, welche k gesucht sind.
  3. Richtige Wahrscheinlichkeit wählenGenau k: Formel. Höchstens k: kumuliert. Mindestens k: 1 − P(X ≤ k − 1).
  4. BerechnenMit der Formel, der Tabelle oder den Binomialfunktionen des Taschenrechners.
  5. KontrollierenLiegt das Ergebnis zwischen 0 und 1? Sind die Werte nahe μ = n · p am wahrscheinlichsten?

Übungsaufgaben

Binomialverteilung

Löse jede Aufgabe und prüfe dann deine Antwort.

  1. Ist „die Anzahl der Sechsen bei 20 Würfen eines fairen Würfels“ binomialverteilt? Wenn ja, gib n und p an.
    Lösung zeigen
    Ja: zwei Ausgänge, unabhängige Würfe, festes n, gleiches p. n = 20, p = 1/6
  2. Ist „die Anzahl der gezogenen Karten, bis ein Ass kommt“ binomialverteilt?
    Lösung zeigen
    Nein: Die Anzahl der Versuche steht nicht fest.
  3. X ~ B(4; 0,5). Berechne P(X = 2).
    Lösung zeigen
    „4 über 2“ = 6, also 6 · 0,5² · 0,5² = 6 · 0,0625 = 0,375
  4. X ~ B(5; 0,2). Berechne P(X = 0).
    Lösung zeigen
    0,8⁵ = 0,32768
  5. X ~ B(5; 0,2). Berechne P(X ≥ 1).
    Lösung zeigen
    1 − 0,32768 = 0,67232
  6. X ~ B(6; 0,3). Berechne P(X = 2).
    Lösung zeigen
    15 · 0,3² · 0,7⁴ = 15 · 0,09 · 0,2401 ≈ 0,3241
  7. X ~ B(10; 0,5). Berechne P(X = 10).
    Lösung zeigen
    0,5¹⁰ = 1/1024 ≈ 0,000977
  8. X ~ B(3; 0,4). Berechne P(X ≤ 1).
    Lösung zeigen
    P(0) = 0,6³ = 0,216; P(1) = 3 · 0,4 · 0,6² = 0,432. Zusammen 0,648
  9. X ~ B(20; 0,25). Berechne den Erwartungswert.
    Lösung zeigen
    n · p = 20 · 0,25 = 5
  10. X ~ B(20; 0,25). Berechne Varianz und Standardabweichung.
    Lösung zeigen
    σ² = 20 · 0,25 · 0,75 = 3,75; σ = √3,75 ≈ 1,936
  11. X ~ B(8; 0,5). Berechne P(X = 4).
    Lösung zeigen
    „8 über 4“ = 70, also 70 · 0,5⁸ = 70 : 256 ≈ 0,2734
  12. X ~ B(4; 0,1). Berechne P(X ≥ 2).
    Lösung zeigen
    P(0) = 0,6561, P(1) = 4 · 0,1 · 0,729 = 0,2916. 1 − 0,6561 − 0,2916 = 0,0523
  13. X ~ B(n; 0,4) hat den Erwartungswert 12. Bestimme n.
    Lösung zeigen
    0,4 · n = 12, also n = 30
  14. X ~ B(n; p) hat den Erwartungswert 6 und die Varianz 4,2. Bestimme n und p.
    Lösung zeigen
    1 − p = 4,2 : 6 = 0,7, also p = 0,3 und n = 6 : 0,3: n = 20, p = 0,3
  15. Welcher Wert von X ~ B(10; 0,3) ist am wahrscheinlichsten?
    Lösung zeigen
    P(2) ≈ 0,2335, P(3) ≈ 0,2668, P(4) ≈ 0,2001: am wahrscheinlichsten ist 3

Sachaufgaben

Binomialverteilung im Alltag

Löse jede Aufgabe und prüfe dann deine Antwort.

  1. Eine Fußballerin verwandelt 80 % ihrer Elfmeter. Sie schießt 5. Wie wahrscheinlich verwandelt sie alle 5?
    Lösung zeigen
    0,8⁵ = 0,32768
  2. Jeder Samen aus einer Tüte keimt mit 90 % Wahrscheinlichkeit. Du säst 10. Wie viele keimen im Mittel, und wie wahrscheinlich keimen alle 10?
    Lösung zeigen
    μ = 10 · 0,9 = 9 Samen; P(X = 10) = 0,9¹⁰ ≈ 0,3487
  3. Ein Test hat 10 Fragen mit je 4 Antworten. Ana rät bei allen. Wie viele richtige erwartet sie, und wie wahrscheinlich hat sie keine richtig?
    Lösung zeigen
    μ = 10 · 0,25 = 2,5; P(X = 0) = 0,75¹⁰ ≈ 0,0563
  4. 2 % der Glühbirnen einer Fabrik sind defekt. Ein Karton enthält 50. Wie wahrscheinlich ist mindestens eine defekte darin?
    Lösung zeigen
    1 − 0,98⁵⁰ ≈ 1 − 0,3642 = 0,6358
  5. Eine Familie hat 3 Kinder; jedes ist mit gleicher Wahrscheinlichkeit ein Mädchen oder ein Junge. Wie wahrscheinlich sind genau 2 Mädchen?
    Lösung zeigen
    „3 über 2“ · 0,5³ = 3 · 0,125 = 0,375

Häufige Fragen

Was beschreibt die Binomialverteilung?

Die Anzahl der Treffer in einer Bernoulli-Kette: n unabhängige Versuche mit jeweils zwei Ausgängen und gleicher Trefferwahrscheinlichkeit p. Beispiele sind Tore bei Elfmetern, defekte Teile in einer Lieferung oder richtig geratene Antworten.

Ist die Binomialverteilung mit oder ohne Zurücklegen?

Mit Zurücklegen, denn nur dann bleibt p bei jedem Zug gleich. Ohne Zurücklegen ist die Anzahl der Treffer hypergeometrisch verteilt; bei sehr großer Grundgesamtheit ist der Unterschied aber klein.

Ist die Binomialverteilung diskret?

Ja. X zählt Treffer und nimmt nur die Werte 0, 1, 2, … bis n an. Die Normalverteilung ist dagegen stetig.

Ist die Binomialverteilung eine Normalverteilung?

Nein, aber für große n lässt sie sich gut durch eine Normalverteilung mit μ = n · p und σ = √(n · p · (1 − p)) annähern. Als Faustregel nennt man oft die Laplace-Bedingung σ > 3.

Was ist die kumulierte Binomialverteilung?

Die Summe P(X ≤ k) = P(X = 0) + … + P(X = k). Tabellen enthalten meist genau diese Werte. P(X = k) erhält man dann als P(X ≤ k) − P(X ≤ k − 1).

Wie berechnet man die Binomialverteilung mit dem Taschenrechner oder Excel?

Grafikrechner haben fertige Funktionen, bei TI zum Beispiel binompdf(n, p, k) für P(X = k) und binomcdf(n, p, k) für P(X ≤ k). In Excel liefert =BINOM.VERT(k; n; p; FALSCH) P(X = k) und =BINOM.VERT(k; n; p; WAHR) P(X ≤ k).

Kurzes Quiz

Die Binomialverteilung

Teste dein Wissen mit 5 kurzen Fragen.

Frage 1 von 5

Welche Bedingung gehört NICHT zu einer Binomialverteilung?

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Binomialverteilung unbegrenzt üben

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Wahrscheinlichkeit misst, wie wahrscheinlich etwas eintritt, auf einer Skala von 0 (unmöglich) bis 1 (sicher). Eine faire Münze zeigt mit der Wahrscheinlichkeit 1/2 Kopf.

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