Crayonbird
Menü

Naturwissenschaften

Was sind exotherme und endotherme Reaktionen, und woran erkennt man sie?

Kurze Antwort

Eine exotherme Reaktion gibt Wärme ab, die Umgebung wird wärmer (wie beim Verbrennen). Eine endotherme Reaktion nimmt Wärme auf, die Umgebung kühlt ab (wie bei einer Sofort-Kältekompresse).

13–16 JahreWeiterführende Schule

In einem Satz

Eine exotherme Reaktion gibt Energie (meist Wärme) an die Umgebung ab, die sich erwärmt; eine endotherme Reaktion nimmt Energie aus der Umgebung auf, die sich abkühlt.

Erklärt

Bei jeder chemischen Reaktion wird Energie umgesetzt. Manchmal fließt Energie aus den reagierenden Stoffen in die Umgebung: ins Becherglas, in die Luft, in deine Hand. Manchmal fließt sie hinein. Die Namen verraten es: exo heißt „nach außen“, endo heißt „nach innen“, und therm hat mit Wärme zu tun.

  • Feuer
  • Schnee
  • Kerze
Eine brennende Kerze gibt Wärme ab (exotherm). Eine Sofort-Kältekompresse nimmt Wärme auf (endotherm).

Exotherme Reaktionen geben Wärme ab, oft auch Licht oder einen Knall. Die Temperatur der Umgebung steigt. Beispiele: Verbrennungen von Holz, Gas oder Kerzenwachs, die Zellatmung, die Neutralisation einer Säure mit einer Lauge, Metalle, die mit Säuren reagieren, das Löschen von Branntkalk mit Wasser und das Eisenpulver in einem Einweg-Taschenwärmer, das langsam rostet.

Endotherme Reaktionen nehmen Wärme auf. Die Temperatur der Umgebung sinkt, oder die Reaktion läuft nur, solange man weiter erhitzt. Beispiele: das Brennen von Kalk (Calciumcarbonat zerfällt beim Erhitzen in Branntkalk und Kohlenstoffdioxid), die Fotosynthese (sie nimmt Lichtenergie auf), Citronensäure mit Natron (Natriumhydrogencarbonat), wie im Brausepulver, das auf der Zunge kühl prickelt, und die Elektrolyse, die ständig elektrische Energie braucht.

Denk daran: Energie geht nie verloren und entsteht nicht aus dem Nichts. Bei einer exothermen Reaktion verlieren die Stoffe Energie, und die Umgebung gewinnt genau so viel. Bei einer endothermen ist es umgekehrt.

Warum ist das so? Wegen der Bindungen. Bei einer Reaktion werden Bindungen in den Edukten (Ausgangsstoffen) gespalten und neue Bindungen in den Produkten geknüpft.

  • Bindungen spalten benötigt Energie (endotherm).
  • Bindungen knüpfen setzt Energie frei (exotherm).

Wird beim Knüpfen der neuen Bindungen mehr Energie frei, als das Spalten der alten gekostet hat, ist die Reaktion insgesamt exotherm. Wird weniger frei, ist sie endotherm.

Energiediagramme. Man zeichnet die Energie der Edukte und der Produkte als zwei Stufen. Bei einer exothermen Reaktion liegen die Produkte tiefer als die Edukte, bei einer endothermen höher. Der Unterschied ist die Reaktionsenthalpie ΔH: negativ bei exothermen, positiv bei endothermen Reaktionen. Bei beiden muss zuerst ein „Berg“ überwunden werden, die Aktivierungsenergie: die Mindestenergie, die die Teilchen zum Reagieren brauchen. Deshalb braucht der Gasherd einen Funken, obwohl beim Verbrennen viel Wärme frei wird.

Beispiele

Reaktion oder Vorgang Exotherm oder endotherm? Was man bemerkt
Holz oder Gas verbrennt exotherm Wärme und Licht
Zellatmung (Glucose + Sauerstoff) exotherm hält den Körper warm
Salzsäure + Natronlauge exotherm die Lösung wird warm
Magnesium + Salzsäure exotherm Gasbläschen, das Glas wird heiß
Branntkalk (Calciumoxid) + Wasser exotherm wird sehr heiß
Kalkbrennen (Calciumcarbonat erhitzen) endotherm reagiert nur unter starkem Erhitzen
Fotosynthese endotherm nimmt Lichtenergie auf
Citronensäure + Natron (Brausepulver) endotherm sprudelt und wird kühler
Ammoniumnitrat löst sich in Wasser (Kältekompresse) endotherm die Kompresse wird kalt

Aggregatzustandsänderungen folgen derselben Idee, auch wenn es physikalische Vorgänge und keine Reaktionen sind: Schmelzen und Verdampfen nehmen Energie auf (endotherm), Erstarren und Kondensieren geben Energie ab (exotherm).

Häufige Fehler

  • „Endotherm“ heißt nicht, dass die Reaktion kalt ist. Sie nimmt Wärme aus der Umgebung auf; deshalb sinkt die Temperatur am Thermometer.
  • „Bindungen knüpfen kostet Energie.“ Umgekehrt: Spalten benötigt Energie, Knüpfen setzt Energie frei.
  • Vorzeichen von ΔH vertauschen. Exotherm heißt: Die Stoffe geben Energie ab, also ist ΔH negativ.
  • Glauben, exotherme Reaktionen starten von selbst. Die meisten brauchen Aktivierungsenergie, zum Beispiel einen Funken oder eine Flamme.

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt

  1. Anfangstemperatur messenDen ersten Stoff in ein isoliertes Gefäß geben (ein Styroporbecher eignet sich gut) und die Temperatur notieren.
  2. Zweiten Stoff zugebenUmrühren und das Thermometer beobachten.
  3. Höchste oder tiefste Temperatur notierenAblesen, wie stark sie steigt oder fällt.
  4. EntscheidenTemperatur gestiegen: exotherm. Temperatur gesunken: endotherm.
  5. Mit Energie prüfenBei einer Rechnung: aufgenommene Energie (gespaltene Bindungen) minus frei werdende Energie (geknüpfte Bindungen). Ein negatives Ergebnis heißt exotherm.

Übungsaufgaben

Exotherm oder endotherm?

Löse jede Aufgabe und prüfe dann deine Antwort.

  1. Eine brennende Kerze.
    Lösung zeigen
    Sie gibt Wärme und Licht ab: exotherm.
  2. Wasser gefriert zu Eis.
    Lösung zeigen
    Es gibt Energie ab, wenn die Teilchen feste Plätze einnehmen: exotherm (ein physikalischer Vorgang, keine Reaktion).
  3. Fotosynthese in einem Blatt.
    Lösung zeigen
    Sie nimmt Lichtenergie auf: endotherm.
  4. Die Temperatur einer Lösung steigt von 19 °C auf 31 °C.
    Lösung zeigen
    Sie steigt um 31 − 19 = 12 °C: exotherm.
  5. Die Temperatur fällt von 22,0 °C auf 16,5 °C.
    Lösung zeigen
    Sie fällt um 22,0 − 16,5 = 5,5 °C: endotherm.
  6. ΔH = −890 kJ/mol.
    Lösung zeigen
    Negatives ΔH: exotherm.
  7. ΔH = +178 kJ/mol.
    Lösung zeigen
    Positives ΔH: endotherm.
  8. Im Energiediagramm liegen die Produkte tiefer als die Edukte.
    Lösung zeigen
    Die Stoffe haben Energie abgegeben: exotherm.
  9. Das Spalten der Bindungen benötigt 679 kJ, das Knüpfen setzt 864 kJ frei. Berechne ΔH.
    Lösung zeigen
    ΔH = 679 − 864 = −185 kJ (exotherm)
  10. Das Spalten der Bindungen benötigt 864 kJ, das Knüpfen setzt 679 kJ frei. Berechne ΔH.
    Lösung zeigen
    ΔH = 864 − 679 = +185 kJ (endotherm)
  11. H₂ + Br₂ → 2 HBr. Bindungsenergien: H–H 436, Br–Br 193, H–Br 366 kJ/mol. Berechne ΔH.
    Lösung zeigen
    Gespalten: 436 + 193 = 629. Geknüpft: 2 · 366 = 732. ΔH = 629 − 732 = −103 kJ/mol (exotherm)
  12. CH₄ + 2 O₂ → CO₂ + 2 H₂O. Bindungsenergien: C–H 413, O=O 498, C=O 805, O–H 464 kJ/mol. Berechne ΔH.
    Lösung zeigen
    Gespalten: 4 · 413 + 2 · 498 = 1652 + 996 = 2648. Geknüpft: 2 · 805 + 4 · 464 = 1610 + 1856 = 3466. ΔH = 2648 − 3466 = −818 kJ/mol (exotherm)

Sachaufgaben

Energie bei Reaktionen im Alltag

Löse jede Aufgabe und prüfe dann deine Antwort.

  1. Eine Kältekompresse für Sportverletzungen wird kalt, wenn man sie knickt. Ist der Vorgang exotherm oder endotherm, und woher kommt die Wärme?
    Lösung zeigen
    Endotherm: Die Stoffe nehmen Wärme aus deiner Haut und der Umgebung auf, deshalb fühlt sich die Kompresse kalt an.
  2. Eine Schülerin gibt Magnesium in Salzsäure. Die Temperatur steigt von 20,5 °C auf 34,0 °C. Berechne die Änderung und nenne die Art der Reaktion.
    Lösung zeigen
    34,0 − 20,5 = Anstieg um 13,5 °C: exotherm.
  3. 50 g Wasser erwärmen sich um 6 °C. Wie viel Wärme hat das Wasser aufgenommen? Nutze Q = m · c · ΔT mit c = 4,2 J/(g·°C).
    Lösung zeigen
    Q = 50 · 4,2 · 6 = 1260 J (1,26 kJ)
  4. Warum braucht ein Gasherd einen Funken, wenn die Verbrennung von Gas doch exotherm ist?
    Lösung zeigen
    Die Gasteilchen brauchen die Aktivierungsenergie, um mit der Reaktion zu beginnen. Danach hält die frei werdende Wärme die Reaktion in Gang.
  5. Eine selbsterhitzende Kaffeedose nutzt Branntkalk (Calciumoxid) und Wasser. Muss die Reaktion exotherm oder endotherm sein?
    Lösung zeigen
    Exotherm: Sie muss Wärme abgeben, um den Kaffee zu erwärmen.

Häufige Fragen

Wie unterscheidet man exotherme und endotherme Reaktionen?

Exotherme Reaktionen geben Wärme ab: Die Umgebung wird wärmer und ΔH ist negativ. Endotherme Reaktionen nehmen Wärme auf: Die Umgebung kühlt ab und ΔH ist positiv.

Woran erkennt man exotherme und endotherme Reaktionen?

Man misst die Temperatur vorher und nachher. Steigt sie, ist die Reaktion exotherm; sinkt sie, ist sie endotherm. Auch eine Reaktion, die nur unter ständigem Erhitzen weiterläuft, ist endotherm.

Welche Beispiele gibt es im Alltag?

Exotherm: Verbrennungen im Kamin oder Gasherd, die Zellatmung, Taschenwärmer, Feuerwerk. Endotherm: Sofort-Kältekompressen, die Fotosynthese, Brausepulver auf der Zunge, das Kalkbrennen.

Wie sieht ein Energiediagramm für exotherme und endotherme Reaktionen aus?

Bei einer exothermen Reaktion geht die Kurve erst über einen kleinen Berg (die Aktivierungsenergie) und endet tiefer als am Anfang. Bei einer endothermen geht sie über den Berg und endet höher.

Was haben exotherme und endotherme Reaktionen gemeinsam?

Bei beiden werden Bindungen gespalten und geknüpft, beide tauschen Energie mit der Umgebung aus, beide brauchen Aktivierungsenergie zum Starten, und bei beiden bleibt die Gesamtenergie erhalten.

Wie berechnet man die Reaktionsenthalpie?

Man addiert die Bindungsenergien aller gespaltenen Bindungen und zieht die aller geknüpften ab: ΔH = aufgenommene − frei werdende Energie. Für H₂ + Cl₂ → 2 HCl ergibt (436 + 243) − (2 · 432) = −185 kJ/mol, die Reaktion ist also exotherm.

Kurzes Quiz

Exotherme und endotherme Reaktionen

Teste dein Wissen mit 5 kurzen Fragen.

Frage 1 von 5

Bei einer Reaktion im Reagenzglas fühlt sich das Glas kalt an. Welche Art von Reaktion ist das?

Üben

Probier es aus

Übe Energieumsätze mit unbegrenzten Aufgaben

Arbeitsblätter Naturwissenschaften

Mehr in der Bibliothek

Schritt für Schritt üben im ganzen Kurs: Naturwissenschaften · Klasse 10

Für Erwachsene

Chemische Reaktionen

Bei einer chemischen Reaktion verwandeln sich Stoffe in neue Stoffe mit anderen Eigenschaften. Verbrennen, Rosten, Backen und Kochen sind chemische Reaktionen.

Naturwissenschaften · 10–15 Jahre

Energie

Energie ist das, was Dinge geschehen lässt: Sie bringt Dinge in Bewegung, erwärmt sie, lässt sie leuchten und wachsen. Energie kann nicht erzeugt oder zerstört, sondern nur umgewandelt werden.

Naturwissenschaften · 7–13 Jahre

Wärme und Temperatur

Die Temperatur sagt dir, wie warm oder kalt etwas ist. Wärme ist Energie, die von einem wärmeren zu einem kälteren Körper fließt. Beides hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe.

Naturwissenschaften · 7–13 Jahre

Reaktionsgeschwindigkeit

Die Reaktionsgeschwindigkeit gibt an, wie schnell Edukte verbraucht oder Produkte gebildet werden. Temperatur, Konzentration, Zerteilungsgrad und Katalysatoren erhöhen sie.

Naturwissenschaften · 14–16 Jahre

Beschleunigung

Die Beschleunigung gibt an, wie schnell sich die Geschwindigkeit ändert. a = Δv : Δt, Geschwindigkeitsänderung durch Zeit, gemessen in Metern pro Sekunde zum Quadrat (m/s²).

Naturwissenschaften · 13–16 Jahre

Säuren und Basen

Säuren schmecken sauer und haben einen pH-Wert unter 7, zum Beispiel Zitronensaft. Basen fühlen sich seifig an und haben einen pH-Wert über 7, etwa Seife. Reagieren beide, neutralisieren sie sich.

Naturwissenschaften · 10–15 Jahre

Zurück zum Schullexikon