Schreibtipps für Schreibmuffel: Stiftgriff, Haltung, Buchstabenfamilien
Praktische Hilfe für Kinder, die ungern schreiben: Sitzhaltung, Stiftgriff, Buchstabenfamilien, Fünf-Minuten-Übungen und wann Ergotherapie sinnvoll ist.

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„Ich will nicht schreiben“ kann ein Dutzend verschiedene Dinge bedeuten. Bei manchen Kindern heißt es, dass die Hand wehtut. Bei anderen, dass die Buchstaben falsch herauskommen und es ihnen peinlich ist – oder dass sie eine tolle Idee haben und der Stift nicht hinterherkommt. Dieser Ratgeber hilft Ihnen herauszufinden, womit Sie es zu tun haben, und bringt dann die Grundlagen in Ordnung: Sitzhaltung, Stiftgriff, die Art, wie Buchstaben geformt werden, und kurze Übungen, die nicht in Tränen enden.
Zuerst herausfinden, welche Art von Schreibmuffel
Schauen Sie Ihrem Kind zu, wie es einen Satz schreibt, der ihm wichtig ist – etwa eine Nachricht an Oma oder Opa –, ohne irgendetwas zu korrigieren. Achten Sie auf Körper, Hand und Gesicht. Nutzen Sie dann diese Tabelle als grobe Orientierung.
| Was Sie sehen | Wahrscheinliche Ursache | Was Sie zuerst probieren können |
|---|---|---|
| Schüttelt die Hand aus, klagt über Schmerzen | Zu fester oder ungünstiger Griff | Kurze Stifte, Aufwärmen, Spiele mit weniger Druck |
| Sackt zusammen, Kopf auf dem Arm, zappelt | Sitzplatz und Haltung | Stuhl- und Tischhöhe prüfen |
| Buchstaben beginnen an seltsamen Stellen, viele Verdrehungen | Formen nie ganz gefestigt | Buchstaben in Familien üben (siehe unten) |
| Schreibt drei Wörter und hört dann auf | Ideen sind da, das Aufschreiben ist zu langsam | Denken und Schreiben trennen: Ihr Kind erzählt, Sie schreiben mit |
| Tränen oder Verweigerung schon vor dem Start | Frühere Misserfolge, Angst vor Fehlern | Sehr kurze Aufgaben, Schreiben mit echtem Zweck |
Die meisten Schreibmuffel haben zwei oder drei davon gleichzeitig. Fangen Sie beim Körper an, denn nichts anderes funktioniert, solange Sitzen und Halten unbequem sind.
Die Sitzhaltung: der langweilige Teil, der alles verändert
Kinder sitzen oft auf Erwachsenenstühlen an Erwachsenentischen. Die Füße baumeln, der Tisch ist auf Brusthöhe, und sie schreiben mit hochgezogener Schulter. Prüfen Sie vier Dinge:
- Füße flach auf dem Boden oder auf einer Kiste oder einem Bücherstapel.
- Tisch etwa auf Ellbogenhöhe, wenn das Kind mit entspannten Armen sitzt. Ein Kissen auf dem Stuhl gleicht einen zu hohen Tisch aus.
- Die andere Hand hält das Papier. Das klingt banal, aber ein rutschendes Blatt ist einer der häufigsten Gründe für unordentliche Schrift. „Die Helferhand hält das Blatt“ ist ein Satz, der sich zu wiederholen lohnt.
- Papier schräg legen. Rechtshändern fällt es meist leichter, wenn die obere Blattkante leicht nach links gedreht ist; Linkshändern, wenn sie nach rechts gedreht ist und das Blatt etwas links vom Körper liegt.
Stiftgriff: Was zählt und was nicht
Der Lehrbuchgriff ist der dynamische Dreipunktgriff: Der Stift liegt zwischen Daumen und Zeigefinger, ruht auf dem Mittelfinger, und die Bewegung kommt aus den Fingern statt aus dem ganzen Arm. Viele Kinder halten den Stift stattdessen mit vier Fingern oder mit etwas anderer Daumenposition und schreiben trotzdem flüssig und bequem. Das ist in Ordnung.
Angehen sollten Sie dagegen:
- einen Faustgriff bei einem Kind ab sechs,
- einen Daumen, der über die Finger geschlagen ist, sodass sich die Finger nicht bewegen können,
- weiße Fingerknöchel oder so viel Druck, dass das Papier reißt oder die Mine bricht,
- Schreiben, das aus der Schulter oder dem Ellbogen kommt statt aus Fingern und Handgelenk.
Ein paar Lösungen, die besser wirken als Ermahnen:
- Kurze Stifte verwenden. Ein Stift, der etwa so lang ist wie der Finger Ihres Kindes, oder ein abgebrochener Wachsmalstift lässt sich schlicht nicht mit der Faust halten. Minibleistifte, wie man sie vom Minigolf kennt, sind ideal.
- „Zwicken und umklappen“ probieren. Den Stift so auf den Tisch legen, dass die Spitze zum Bauch des Kindes zeigt. Ihr Kind zwickt ihn nahe der Spitze mit Daumen und Zeigefinger und klappt ihn dann über die Hand in Schreibposition.
- Auf einer senkrechten Fläche schreiben. Ein Whiteboard auf einer Staffelei oder Papier an der Wand bringt das Handgelenk ganz von selbst in eine gute Position.
- „Leiser Stift“ spielen. Bitten Sie Ihr Kind, so sanft zu schreiben, dass man den Stift nicht hört. Dann etwas lauter. So wird der Druck zum Spiel.
- Dickere oder dreieckige Stifte helfen manchen Kindern zu spüren, wohin die Finger gehören.
Wenn der Griff funktioniert und das Kind acht oder neun ist, überlegen Sie gut, bevor Sie ihn ändern. Eine eingeschliffene Haltung umzutrainieren, ist mühsam und frustrierend – und vielleicht gar nicht nötig.
Bleistift
Wachsmalstift
Radiergummi
Heft
Buchstaben formen: in Familien üben, nicht nach dem Alphabet
Wer von a bis z der Reihe nach übt, lernt erst a, dann für b eine völlig andere Bewegung und für c wieder einen Bogen. Wenn Sie Buchstaben nach ihrer Bewegung gruppieren, erledigt eine Bewegung die Arbeit für mehrere Buchstaben. Für die Kleinbuchstaben der Druckschrift bieten sich diese vier Familien an (die Namen variieren):
Runter-und-weg-Buchstaben: l, i, t, u, j, y Oben anfangen, gerade nach unten ziehen. „Oben anfangen, runter bis zur Linie, Schwung.“
Bogenbuchstaben: c, a, d, g, o, q, e, s, f Alle beginnen mit der Form des c: bei etwa „zwei Uhr“ ansetzen und gegen den Uhrzeigersinn zurückschwingen. „Oben drüber und rundherum wie ein c.“ Sitzt das c, sind a, d, g und o nur noch ein c mit einem kleinen Extra. Die Umlaute ä, ö und ü sind einfach a, o und u mit zwei Pünktchen.
Runter-und-hoch-Buchstaben: r, n, m, h, b, k, p Die Linie runter, auf derselben Spur wieder hoch und dann den Bogen. „Runter, hoch und über den Berg.“
Zickzack-Buchstaben: v, w, x, z Gerade, schräge Linien. Meist die leichteste Familie.
Diese Einteilung löst auch das klassische b/d-Durcheinander. Das b gehört zur Runter-und-hoch-Familie: zuerst der lange Strich nach unten, dann hoch und herum. Das d ist ein Bogenbuchstabe: zuerst ein c, dann lang nach oben und gerade wieder runter. Die beiden Buchstaben beginnen mit völlig unterschiedlichen Bewegungen, also lernt die Hand sie getrennt statt als Spiegelbilder.
Achten Sie vor allem auf den Startpunkt. Ein Buchstabe, der gut aussieht, aber von unten nach oben gemalt wurde, macht später Ärger, wenn Ihr Kind zu einer verbundenen Schrift übergeht (welche Schrift gelehrt wird, unterscheidet sich je nach Schule und Bundesland). Setzen Sie auf Übungsblättern einen kleinen Punkt dorthin, wo jeder Buchstabe beginnt, oder fragen Sie vor jedem: „Wo fangen wir an?“
Die Fünf-Minuten-Übung
Lange Abschreibseiten bringen Kindern vor allem bei, zu hetzen und das Schreiben zu hassen. Kurzes, sorgfältiges Üben wirkt besser. Probieren Sie dies drei- oder viermal pro Woche:
Schritt für Schritt
- Aufwärmen (1 Minute)Fingerübungen: Spinnen-Liegestütze (Fingerspitzen gegeneinanderdrücken), Knete zwicken oder Papier in winzige Schnipsel reißen.
- Eine Familie (2 Minuten)Drei Buchstaben aus einer Familie, jeweils drei sorgfältige Exemplare. Die Bewegung beim Schreiben laut mitsprechen.
- Den besten einkreisenIhr Kind kreist in jeder Reihe seinen schönsten Buchstaben ein. Sie kommentieren nur diesen: „Schau, wie dein a oben geschlossen ist.“
- Ein echtes Wort (1 Minute)Ein Wort schreiben, das zählt: der Name eines Freundes, des Haustiers, das heutige Abendessen.
- AufhörenBevor Ihr Kind darum bittet. Das Blatt dort hinlegen, wo es zu sehen ist.
Unsere Nachspurblätter für Buchstaben eignen sich gut für den mittleren Schritt, weil jeder Buchstabe einen deutlichen Startpunkt und Pfeile hat. Für ältere Kinder, die Buchstaben schon richtig, aber langsam formen, bietet die Sammlung zum Schönschreiben kurze Sätze und Seiten zum verbundenen Schreiben.
Buchstaben-Übungsblätter zum Ausdrucken
Motivation: dem Schreiben einen Grund geben
Schreibmuffel lassen sich selten allein mit Arbeitsblättern gewinnen. Sie brauchen Schreiben, das etwas bewirkt.
- Listen. Der Einkaufszettel, eine Packliste für die Reise, eine Liste der zehn besten Dinosaurier.
- Beschriftungen. Die Regale im Kinderzimmer beschriften oder die Vorratsgläser in der Küche.
- Notizen und Nachrichten. Eine Geburtstagskarte, ein Zettel in der Brotdose eines Elternteils, ein „Bitte nicht stören“-Schild für die Zimmertür.
- Comics. Vier Kästchen, je eine Sprechblase. Viel weniger einschüchternd als eine linierte Seite.
- Punkte zählen. Jedes Brettspiel braucht jemanden, der die Punkte aufschreibt.
Ideen und Handschrift trennen. Wenn Ihr Kind vor Geschichten übersprudelt, das Schreiben aber langsam geht, lassen Sie es erzählen, während Sie Wort für Wort mitschreiben. Dann schreibt es nur einen Satz ab, seinen Lieblingssatz, in seiner schönsten Schrift. So darf es Autorin oder Autor und Schreiber zugleich sein, ohne dass das eine das andere ausbremst.
Etwas Konkretes loben. „Schön geschrieben“ bedeutet nichts. „Deine langen Buchstaben sind heute richtig lang“ sagt genau, was gut gelungen ist.
Auch Zeichnen hilft mehr, als Eltern erwarten. Die Kreise, Linien und Bögen in einfachen Schritt-für-Schritt-Zeichnungen sind dieselben Bewegungen wie bei Buchstaben – ohne den Druck, ein Wort richtig schreiben zu müssen.
Unser Ratgeber Kindern das Zeichnen beibringen hat weitere Anleitungen dieser Art. Für ein Kind, das lieber alles andere täte als zu schreiben, setzt das Schreibtagebuch-Paket auf kurze Impulse mit viel Platz für Bilder.
Wann Sie ergotherapeutischen Rat einholen sollten
Die meisten Probleme mit der Handschrift bessern sich mit besserer Sitzhaltung, einem brauchbaren Griff und kurzem, regelmäßigem Üben. Es lohnt sich aber, mit der Lehrkraft zu sprechen – und über sie oder Ihre Kinderärztin nach einer ergotherapeutischen Abklärung zu fragen –, wenn:
- das Schreiben schmerzt oder Ihr Kind nach wenigen Zeilen erschöpft ist;
- die Schrift nach ein, zwei Halbjahren Übung deutlich langsamer oder schwerer lesbar ist als bei den Mitschülern;
- Ihrem Kind auch Schere, Knöpfe, Besteck oder Ballspiele viel schwerer fallen als Gleichaltrigen;
- es die Schule meidet oder wegen des Schreibens sehr verzweifelt ist.
Schwierigkeiten mit der Handschrift zusammen mit breiteren Koordinationsproblemen können manchmal ein Hinweis auf eine Entwicklungsstörung der Koordination sein (auch Dyspraxie genannt; im deutschsprachigen Raum oft UEMF, umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen). Die Übersicht des NHS zu den Symptomen (englischsprachig) ist ein ruhiger, klarer Ausgangspunkt. Eine Ergotherapeutin kann Kraft, Koordination und Griff gemeinsam betrachten, und viele Schulen können Ihnen schon in der Wartezeit Strategien vorschlagen.
Wenn Ihr Kind jünger ist und noch gar keine Buchstaben schreibt, beginnen Sie einen Schritt früher mit unseren Ratgebern zu Vorläuferfähigkeiten fürs Schreiben und zu Feinmotorik-Übungen.
Ändern Sie diese Woche nur eine Sache: Geben Sie Ihrem Kind einen kurzen Stift und eine Fußstütze und schauen Sie, ob die Schrift am Freitag anders aussieht.
Häufige Fragen
Sollte ich die Stifthaltung meines Kindes korrigieren?
Nur, wenn sie Schmerzen, schnelle Ermüdung oder sehr langsames Schreiben verursacht. Viele Griffe jenseits des klassischen Dreipunktgriffs funktionieren bestens, und eine gefestigte Haltung bei einem älteren Kind umzustellen, ist schwer und oft unnötig.
Wie viel sollte ein sechsjähriges Kind zu Hause Schreiben üben?
Fünf Minuten, ein paar Mal pro Woche, reichen. Kurzes, sorgfältiges Üben ist besser als lange Abschreibseiten, die Kindern vor allem das Hetzen beibringen.
Warum vertauscht mein Kind mit sieben immer noch b und d?
Verdrehungen sind bis etwa sieben oder acht Jahre häufig und verschwinden meist mit Übung. Es hilft sehr, die beiden Buchstaben mit unterschiedlichen Anfangsbewegungen beizubringen statt als Spiegelbilder.
Wann sollte ich nach einer ergotherapeutischen Abklärung fragen?
Wenn das Schreiben trotz Übung schmerzt, deutlich langsamer oder unleserlicher ist als bei Mitschülern oder mit weiteren Schwierigkeiten einhergeht, etwa beim Anziehen, Schneiden oder bei Ballspielen. Sprechen Sie dann mit der Schule oder Ihrer Kinderärztin.
Arbeitsblätter aus diesem Artikel

Crayonbird-Redaktion
Autorinnen, Illustratoren und Pädagogen
Wir sind das kleine Team, das die Aktivitäten von Crayonbird schreibt, zeichnet und testet. Wir probieren jede Idee mit unseren eigenen Arbeitsblättern aus, geben praktische und ehrliche Ratschläge – auch dazu, was nicht klappt – und verweisen auf offizielle Quellen, wo es darauf ankommt. Nichts in diesem Blog ist gesponsert.
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