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Tipps für LehrkräfteFür Lehrkräfte5–11 Jahre

Differenzierung in heterogenen Klassen: ein Praxisleitfaden

Differenzierung für die Grundschule: ein Lernziel, Arbeitsblätter auf drei Niveaus, Hilfen, die wieder wegfallen, und Aufgaben, die in die Tiefe gehen.

Crayonbird-Redaktion9 Min. Lesezeit
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In einer typischen Klasse mit fünfundzwanzig oder dreißig Kindern sitzen einige, die ein, zwei Jahre voraus sind, und einige, die ein, zwei Jahre hinterherhinken – und alle dazwischen. Wer für die Mitte unterrichtet, verliert beide Ränder; dreißig getrennte Stunden zu planen, ist unmöglich. Praktische Differenzierung liegt zwischen diesen Extremen: ein klares Lernziel, ein paar gut gewählte Wege dorthin und Hilfen, die wegfallen, sobald die Kinder sicherer werden. So gelingt das mit ganz normalen Arbeitsblättern, ohne dass sich Ihre Planung verdreifacht.

Was Differenzierung ist – und die Variante, die Lehrkräfte ausbrennt

Differenzieren heißt, den Weg zu einem Lernziel so anzupassen, dass mehr Kinder es erreichen. Es heißt nicht:

  • für jedes Kind einen eigenen Plan zu schreiben.
  • leistungsschwächeren Kindern dauerhaft leichtere Inhalte zu geben, sodass sie immer weiter zurückfallen.
  • Kinder in „visuelle“, „auditive“ und „kinästhetische“ Lerntypen einzuteilen. Die Idee ist beliebt, aber es gibt keine guten Belege dafür, dass es beim Lernen hilft, den Unterricht auf einen vermeintlichen Lerntyp abzustimmen.

Die Ausbrenn-Variante ist die, bei der jede Stunde fünf Stufen von Arbeitsblättern hat, farbcodiert und laminiert. Beeindruckend und nicht durchzuhalten. Die tragfähige Variante hat höchstens drei Niveaus, nutzt Woche für Woche dieselben Formate und steckt den größten Teil der Mühe in die Grundaufgabe.

Am Anfang steht ein Lernziel

Alles beginnt mit einem einzigen, klaren Ziel, auf das die ganze Klasse hinarbeitet. Zum Beispiel:

  • Wir lernen, zweistellige Zahlen mit Zehnerübergang zu addieren.
  • Wir lernen, im Text Belege dafür zu finden, wie sich eine Figur fühlt.

Wer das Ziel aufschreibt, verhindert, dass aus Differenzierung drei verschiedene Stunden werden. Jedes Kind lernt dasselbe; unterschiedlich sind nur die Unterstützung und wie weit es damit kommt.

  • Lineal
  • Bleistift
  • Heft
  • Tafel
  • Buch
  • Radiergummi
Gleiches Ziel, gleiche Werkzeuge, unterschiedlich viel Unterstützung.

Das Drei-Niveau-Arbeitsblatt: eine Fähigkeit, drei Wege

Das einfachste differenzierte Material ist ein einzelnes Blatt (oder drei kurze Blätter) mit derselben Fähigkeit auf drei Niveaus. Kennzeichnen Sie die Niveaus mit neutralen Symbolen wie Kreis, Dreieck und Stern – niemals mit „leicht, mittel, schwer“.

Hier ein Beispiel für die Addition zweistelliger Zahlen mit Zehnerübergang, etwa für Sieben- bis Achtjährige (in Deutschland meist Klasse 2, in England Year 3, in den USA grade 2):

Niveau So sieht es aus Beispielaufgaben
Kreis (mit Hilfen) Zehnerstangen und Einerwürfel als Bild und ein Zahlenstrahl auf dem Blatt; erste Aufgabe halb gelöst 23 + 14 (ohne Übergang, zum Aufwärmen), 27 + 15, 38 + 24
Dreieck (Grundniveau) Keine Bilder; Aufgaben stellengerecht untereinander vorgegeben 47 + 36, 58 + 25, 69 + 17
Stern (Herausforderung) Fehlende Ziffern und Begründen 4_ + _7 = 82; finde zwei Zahlen mit der Summe 91, bei denen ein Zehnerübergang nötig ist; ist 39 + 46 dasselbe wie 46 + 39? Begründe

(Die Lösung der Ziffernaufgabe lautet 45 + 37.)

Beachten Sie: Alle rechnen mit Zehnerübergang. Das Kreis-Niveau bietet nur mehr Unterstützung und einen sanfteren Einstieg. Ein Kind, das die ersten drei Aufgaben richtig hat, darf zum Dreieck wechseln; ein Dreieck-Kind, dem es leichtfällt, nimmt sich die Stern-Aufgaben vor.

Im Deutschunterricht funktioniert das genauso. Zu einem kurzen Text über ein Mädchen an seinem ersten Tag an einer neuen Schule:

  • Kreis: „Finde und schreibe zwei Wörter ab, die zeigen, dass Ada nervös war.“ Am Rand steht ein Wortspeicher mit Gefühlswörtern.
  • Dreieck: „Woran erkennst du, dass Ada nervös war? Nenne zwei Belege.“
  • Stern: „War Ada am Anfang oder am Ende des Tages nervöser? Erkläre mit Belegen, wie sich ihre Gefühle verändert haben.“

Alle drei verlangen, Belege für Gefühle zu finden – alle drei arbeiten also am Ziel. Unser Beitrag zu Strategien fürs Leseverstehen enthält weitere Fragetypen, die sich so abstufen lassen.

Additionsblätter für ein Drei-Niveau-Set

Mehr in der Bibliothek

Hilfen, die wieder wegfallen

Ein Gerüst (Scaffold) ist eine Unterstützung, mit der ein Kind etwas schafft, das es allein noch nicht kann. Das entscheidende Wort ist noch. Gute Hilfen sind von vornherein darauf angelegt, wieder entfernt zu werden.

Nützliche Hilfen:

  • Ein Musterbeispiel oben auf dem Blatt, bei dem jeder Schritt zu sehen ist.
  • Eine halb gelöste erste Aufgabe, damit das Kind sieht, wie es anfangen kann.
  • Zahlenstrahl, Hundertertafel und Stellenwerttafel in Mathe.
  • Wortspeicher und Satzanfänge fürs Schreiben: „Ich glaube, Ada fühlte sich …, weil …“
  • Strukturierungshilfen wie Geschichtenkarten, Venn-Diagramme oder „Zuerst – dann – zum Schluss“-Kästen. Das Paket mit Strukturierungshilfen enthält fertige Vorlagen für die meisten Fächer.

Stellen Sie die Hilfen allen zur Verfügung, statt sie nur am „Fördertisch“ auszuteilen. Legen Sie Hilfekarten in einer Dose auf jeden Tisch. Wer sie braucht, nimmt sie; wer nicht, eben nicht. Das vermeidet Etiketten und lässt Kinder ihren Bedarf selbst einschätzen – was sie oft besser können, als wir erwarten.

Und dann bauen Sie die Hilfen ab. Hat ein Kind letzte Woche jeden Tag den Zahlenstrahl benutzt, probieren Sie diese Woche den Zahlenstrahl nur für die erste Aufgabe. Unterstützung bewusst wegzunehmen, gehört genauso zur Differenzierung wie sie zu geben.

Gruppen, die flexibel bleiben

Gruppenbildung kann helfen, geht aber leicht schief. Die Forschung ist begrenzt, und die Übersicht der Education Endowment Foundation zur Gruppierung nach Leistungsstand (englischsprachig) hält fest, dass leistungsschwächere Kinder durch Gruppierungspraktiken offenbar am stärksten gefährdet sind und dass flexible Gruppen, die sich mit dem Bedarf der Kinder ändern, ein geringeres Risiko bergen, dass Kinder in einer Schublade stecken bleiben.

In der Praxis:

  • Oft neu einteilen. Bilden Sie Gruppen nach der aktuellen Einheit, nicht nach den Leistungen vom letzten Jahr. Ein Kind, das sich mit Brüchen schwertut, fliegt vielleicht durch das Thema Größen und Messen.
  • Mit einer kurzen Lernkontrolle entscheiden. Ein Abschlusszettel mit drei Fragen am Ende der Stunde zeigt Ihnen, wer morgen eine Kleingruppenrunde braucht.
  • Für Gespräche mischen. Bilden Sie für Diskussionsaufgaben Paare mit unterschiedlichem Leistungsstand und für gezieltes Üben Gruppen auf gleichem Niveau.
  • Feste Etiketten vermeiden. Wenn eine Gruppe das ganze Jahr „Löwen“ heißt und alle wissen, dass die Löwen die Schwächeren sind, verbirgt der Name nicht viel.

Erweiterung für Kinder, die schon so weit sind

Für Kinder, die das Ziel schnell erreichen, lautet die Antwort Tiefe, nicht mehr vom Gleichen. Statt zwanzig weiterer Aufgaben können sie:

  • ihre Lösung auf zwei verschiedene Arten erklären oder beweisen,
  • eigene Aufgaben (mit Lösungsblatt) für ein anderes Kind erfinden,
  • ein Muster oder eine Regel finden („Ergibt die Summe zweier ungerader Zahlen immer eine gerade Zahl?“),
  • die Fähigkeit auf ein echtes Problem anwenden („Plane ein Klassenfest für 28 Kinder mit einem Budget von 50 Euro“).

Unser Ratgeber zu Aufgaben für Schnellfertige beschreibt ein komplettes System für Kinder, die vor dem Rest der Klasse fertig sind.

Illustration: Echte Probleme außerhalb des Klassenzimmers, etwa den Schulhof vermessen, sind gute Erweiterungsaufgaben.
Echte Probleme außerhalb des Klassenzimmers, etwa den Schulhof vermessen, sind gute Erweiterungsaufgaben.

Was Sie sagen: Sprache, die Niveaus unaufgeregt hält

Wie Sie über Niveaus sprechen, ist genauso wichtig wie die Niveaus selbst. Kinder merken schnell, wer „das leichte Blatt“ hat, und die Art, wie Sie Wahlmöglichkeiten einführen, entscheidet darüber, ob daraus ein Etikett wird.

Niveaus als Startpunkte darstellen, nicht als Rangfolge. „Heute gibt es drei Startpunkte. Ich habe einen Sticker auf dein Blatt geklebt, wo ich anfangen würde – aber du kannst aufsteigen, sobald du bereit bist.“

Den Wechsel loben, nicht den Platz. „Du hast beim Kreis angefangen und bist jetzt beim Dreieck. Genau das wollte ich sehen“ wirkt besser als Lob für die, die beim Stern sitzen.

Kinder manchmal selbst wählen lassen. „Such dir das Niveau aus, das sich nach einer guten Herausforderung anfühlt – nicht zu leicht, nicht unmöglich.“ Die meisten Kinder wählen vernünftig, und von denen, die es nicht tun, erfahren Sie eine Menge.

Über Anstrengung und Strategie sprechen. „Was hat dir bei dieser Aufgabe geholfen?“ oder „Welches Hilfsmittel hast du benutzt?“ lenkt das Gespräch weg davon, wer schlau ist, und hin zu dem, was funktioniert.

Niveaus niemals öffentlich ausrufen. Kein „Die Sterngruppe darf jetzt anfangen“ von vorn. Blätter auf den Tischen oder ein leises Wort halten es privat.

Wenn ein Kind sagt: „Das ist das Babyblatt“, hilft eine ruhige Antwort: „Das ist das Blatt mit dem Zahlenstrahl. Alle rechnen dieselbe Mathe. Mal sehen, ob du den Zahlenstrahl bei Aufgabe vier noch brauchst.“

Machbar bleiben: eine Planungsroutine

Das größte Hindernis für Differenzierung ist Zeit. Mit dieser Routine bleibt es bei etwa fünfzehn Minuten pro Stunde.

Schritt für Schritt

  1. Das Lernziel aufschreibenEin Satz, gültig für die ganze Klasse.
  2. Zuerst die Grundaufgabe planenDas Dreieck-Niveau. Hier steckt der Großteil Ihrer Zeit.
  3. Für die unterstützte Version etwas abziehenEin Musterbeispiel, eine Hilfe oder leichtere Startzahlen ergänzen. Die Fähigkeit bleibt dieselbe.
  4. Für die Herausforderung etwas hinzufügenEine Aufgabe mit fehlenden Zahlen, ein „Beweise es“ oder eine Anwendung aus dem echten Leben.
  5. Die Kontrolle festlegenEine Frage auf dem Abschlusszettel, die zeigt, wer das Ziel erreicht hat.
  6. Formate wiederverwendenDasselbe Layout jede Woche heißt: Die Kinder wissen, was zu tun ist, und Sie müssen nichts neu gestalten.

Fertige Druckvorlagen helfen enorm. Nehmen Sie ein Arbeitsblatt aus unseren Unterrichtsmaterialien als Grundniveau und passen Sie es in wenigen Minuten nach oben und unten an, statt alles selbst zu schreiben.

Prüfen, ob es wirkt

Differenzierung lohnt sich nur, wenn mehr Kinder das Ziel erreichen. Ein paar schnelle Kontrollen:

  • Abschlusszettel. Ein oder zwei Fragen am Ende der Stunde, auf dem Grundniveau. Sortieren Sie sie auf drei Stapel: sitzt, fast, noch nicht.
  • Bewegung zwischen den Niveaus. Über einige Wochen sollten Kinder vom Kreis zum Dreieck und vom Dreieck zum Stern wechseln. Sitzen immer dieselben Kinder beim Kreis, werden die Hilfen nicht abgebaut.
  • Ein Blick aufs Stern-Niveau. Macht es nie jemand, ist es zu schwer oder zu gut versteckt. Machen es alle, ist das Grundniveau zu leicht.

Probieren Sie nächste Woche ein Drei-Niveau-Blatt in einem Fach aus. Halten Sie das Ziel auf allen drei Niveaus gleich, legen Sie Hilfekarten auf jeden Tisch und entscheiden Sie mit einem Abschlusszettel, wer am nächsten Tag an Ihren Lehrertisch kommt. Weitere unterrichtsfertige Ideen finden Sie im Bereich für Lehrkräfte.

Unterrichtsmaterialien ansehen

Häufige Fragen

Wie differenziere ich ein Arbeitsblatt am einfachsten?

Behalten Sie dieselbe Fähigkeit bei und erstellen Sie drei Versionen der Übung – eine mit Hilfen wie Zahlenstrahl oder Wortspeicher, eine Grundversion und eine mit einer Herausforderung, die Begründen verlangt. Die Kinder steigen eine Stufe auf, sobald sie so weit sind.

Ist es besser, Kinder nach Leistung zu gruppieren?

Die Forschung zu Gruppierungen ist begrenzt und uneinheitlich. Wenn Sie nach Leistungsstand gruppieren, halten Sie die Gruppen flexibel, ändern Sie sie oft und sorgen Sie dafür, dass jede Gruppe an anspruchsvollen Inhalten arbeitet statt an einer abgespeckten Version des Lehrplans.

Wie differenziere ich, ohne drei getrennte Stunden zu planen?

Planen Sie zuerst eine Stunde für das Grundniveau, nehmen Sie dann etwas weg für die unterstützte Version und fügen Sie etwas hinzu für die Herausforderung. Wer jede Woche dieselben Formate wiederverwendet, spart zusätzlich Planungszeit.

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Crayonbird-Redaktion

Autorinnen, Illustratoren und Pädagogen

Wir sind das kleine Team, das die Aktivitäten von Crayonbird schreibt, zeichnet und testet. Wir probieren jede Idee mit unseren eigenen Arbeitsblättern aus, geben praktische und ehrliche Ratschläge – auch dazu, was nicht klappt – und verweisen auf offizielle Quellen, wo es darauf ankommt. Nichts in diesem Blog ist gesponsert.