Lesen Schritt für Schritt
So begleiten Sie „Lesen Schritt für Schritt“
Lesen lernen heißt: Buchstaben in Laute übersetzen und die Laute zu Silben und Wörtern verbinden. Im Deutschen geht das meist recht regelmäßig – wichtig sind die Buchstabengruppen (sch, ei, ie …) und die Zeichen für kurze und lange Vokale. Deshalb geht der Lehrgang Schritt für Schritt vor und wiederholt viel. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Dauer: Eine Viertelstunde jeden Tag bringt mehr als eine Stunde am Wochenende. Gehen Sie zum nächsten Schritt, wenn die Wörter des Schritts ohne große Mühe gelesen werden. Lesen Schritt für Schritt ergänzt den Unterricht, es ersetzt ihn nicht.
Die tägliche Lesezeit (15–20 Minuten)
Schritt 1: Kurz wiederholen
Zeigen Sie die Lautkarten der schon gelernten Buchstaben durcheinander. Das Kind sagt so schnell es kann den Laut (nicht den Buchstabennamen). Dazu zwei, drei Merkwörter.3 Min.Schritt 2: Der neue Laut
Stellen Sie den Buchstaben des Schritts mit seinem Anlautwort und Bild vor. Laut vorsprechen, nachsprechen lassen, Wörter mit diesem Laut sammeln. Silben bauen: m + a = ma, ma → am.4 Min.Schritt 3: Wörter lesen
Die Wörter des Schritts lesen: zuerst Silbe für Silbe (To-ma-te), dann in einem Zug (Tomate). Zwei, drei Quatschwörter einstreuen – so sieht man, ob das Kind wirklich liest oder rät.4 Min.Schritt 4: Sätze oder Büchlein lesen
Ein, zwei Sätze oder ein bis zwei Seiten aus dem Büchlein. Das Kind fährt mit dem Finger mit. Danach kurz über das Gelesene sprechen.5 Min.Schritt 5: Schreiben (kleines Diktat)
Diktieren Sie zwei, drei Wörter und einen kurzen Satz aus dem Schritt. Das Kind spricht beim Schreiben deutlich mit und schwingt die Silben.3 Min.
Laute sprechen und Silben klatschen
- Sprechen Sie den Laut, nicht den Buchstabennamen: mmm statt „em“, sss statt „es“. Sonst wird aus „ma“ ein „em-a“.
- Dauerlaute (m, l, s, r, n, f, w) darf man dehnen: „mmmaaa“ → ma. Knall-Laute (t, d, p, b, k, g) spricht man ganz kurz, ohne „e“ dahinter: t, nicht „te“.
- Zum Verbinden gleitet der Finger ohne Pause unter den Buchstaben entlang: m…a → ma; dann Ma-ma → Mama.
- Silben klatschen oder schwingen hilft sehr: einmal klatschen pro Silbe (Ba-na-ne: drei). Lange Wörter bekommen Silbenbögen und werden Bogen für Bogen gelesen.
- Buchstabengruppen (sch, ch, ei, ie, au …) vor dem Lesen einkreisen: So sieht das Kind, dass mehrere Buchstaben für einen Laut stehen.
- Nomen beginnen mit einem großen Buchstaben. Große und kleine Buchstaben klingen gleich – üben Sie beide Formen mit den Lautkarten.
- Sprechen Sie, wie man bei Ihnen spricht: gerolltes oder hinteres r, regionale Färbungen – alles ist richtig. Wichtig ist nur, dass Laute und Buchstaben zueinander passen.
Wenn das Kind hängen bleibt
- Warten Sie ein paar Sekunden, bevor Sie helfen: Oft verbessert sich das Kind selbst.
- Decken Sie einen Teil des Wortes ab und lassen Sie Silbe für Silbe lesen, dann das ganze Wort aufdecken.
- Bei einem unbekannten Laut die Lautkarte mit dem Anlautwort zeigen (sch → Schaf), statt das Wort vorzusagen.
- Rät das Kind nach Bild oder Anfangsbuchstaben, gehen Sie zu den Quatschwörtern: Sie zwingen dazu, alle Buchstaben anzuschauen.
- Verwechselt es ähnliche Laute (b/d, p/b, ei/ie, m/n), üben Sie diese an verschiedenen Tagen, jeden mit seinem Anlautbild.
- Merkwörter (die, ist, und, ich …) einfach vorsagen und die schwierige Stelle zeigen: Sie werden durch häufiges Wiedersehen sicher.
- Wird das Kind müde oder ärgerlich, hören Sie mit einem Erfolg auf: ein Wort oder eine Seite, die es gut kann. Morgen geht es weiter.
Mit den Büchlein arbeiten
- Jedes Büchlein enthält nur gelernte Laute und schon bekannte Merkwörter: Das Kind kann es wirklich selbst lesen, ohne zu raten.
- Erstes Lesen: langsam, mit dem Finger, wenn nötig Silbe für Silbe. Zweites Lesen (an einem anderen Tag): flüssiger, mit Betonung bei Ausrufen und Fragen.
- Sprechen Sie danach über die Geschichte: „Was ist passiert?“, „Was hättest du gemacht?“. Lesen heißt auch verstehen.
- Drucken Sie das Büchlein aus oder lesen Sie es am Bildschirm; danach kann das Kind es jemand anderem aus der Familie vorlesen. Leichte Texte mehrmals lesen macht flüssig.
- Lesen Sie dem Kind weiterhin Bilderbücher vor: So hört es die Sprache der Bücher und erlebt, wie schön Geschichten sind – auch solche, die es noch nicht selbst lesen kann.
Wiederholen und aufholen
- Am Ende jeder Stufe zeigt ein kurzer Check mit 20 Aufgaben, welche Laute und Wörter noch unsicher sind. Bei weniger als 16 richtigen Aufgaben eine Woche lang die genannten Schritte wiederholen und dann den Check noch einmal machen.
- Zum Aufholen sind zwei kurze Einheiten von fünf Minuten (Lautkarten, Quatschwörter, ein Büchlein noch einmal) besser als eine lange.
- Gehen Sie ruhig zurück: Einen Schritt zu wiederholen ist kein Rückschritt, sondern festigt das Gelernte.
- Kommt das Kind nach mehreren Wochen nicht voran oder scheint es Laute schlecht zu hören, sprechen Sie mit der Lehrkraft oder der Kinderärztin bzw. dem Kinderarzt.